Nachhaltigkeit - Impulse gibts jetzt genug

Eine Fortbildungsoffensive wird kommen, das steht außer Frage. Mit den 5 Milliarden, die jetzt auf die Bundesländer verteilt werden, kann man nicht nur nach dem Gießkannen-Prinzip verfahren. Um die Gelder auch nachhaltig zu investieren, müssen LehrerInnen in Deutschland digital kompetent gemacht werden, damit sie die heutige Generation für ein Leben im 21. Jahrhundert fit machen können.

Seit Jahren reise ich immer wieder durch Schwaben/Bayern und manchmal auch in andere Bundesländer und bin auf der Suche nach dem nachhaltigsten Fortbildungskonzept. Was mich immer mehr nervt:

Ich bin der Pausen-Clown. Man hört mir zu, klopft mir auf die Schulter und will das selbst unbedingt im Unterricht ausprobieren. -> Ergebnis, nur bei Wenigen wird tatsächlich im eigenen Unterricht etwas gemacht, die meisten schauen sich erst noch einmal ein paar Pausenclowns oder sogar noch einmal mich an (Rekord: 4 mal).

An meiner eigenen Schule mache ich die Erfahrung, dass ich versuche mit Engelszungen einem Kollegen etwas im Bereich des Digitalen schmackhaft zu machen und der nur verzweifelt abwinkt, mir aber versichert, dass alles ganz toll ist, was ich mache.

So gehts für mich nicht weiter und ich glaube, dass für die Nachhaltigkeit eine Verpflichtung mit einher gehen muss.

Impulse auf mehrere Personen verteilen

Letztes Jahr wollte sich dann unsere Schule erneut auf den Weg machen, Unterrichtserfahrungen im Bereich des Digitalen zu machen und daraus einen Bedarf, ein Curriculum und ein Konzept zu erstellen.

Mehrere Kollegen kamen freiwillig in das Team für die Koordination und hörten sich unter anderem auch meine Ideen an. Diese und auch andere Ideen wurden dann an die übrigen KollegInnen in kurzen Fortbildungen zusammen getragen. Siehe da, mein Kollege war von der oben genannten Idee plötzlich völlig begeistert und schwärmte mir vor, wie einfach das doch einzusetzen ist und wie leicht man damit etwas verändern könnte. Ich war perplex, genau das gleiche hatte ich ihm schon mehrfach gesagt, aber bei mir "war das was ganz was anderes". Das hat mich traurig gemacht, gleichzeitig hatte ich damit aber auch entdeckt, was für Indikatoren wichtig sind, um Konkretes und Nachhaltigkeit in die Breite zu bringen: Ich muss raus aus dem Hamsterrad, andere rein. Wenn immer der mit dem "digital" auf der Stirn zu schwärmen beginnt, passiert nix außer Verunsicherung und Abwehrverhalten. Wenn aber der Nachbar im Lehrerzimmer Ähnliches berichtet, dann wird es relevant.

Fortbildungen neu denken

Davon inspiriert habe ich meine Fortbildungen umstrukturiert. Anstatt selbst die fröhliche Tool-Parade zu fahren, sollen bei meinenBesuchen bei anderen Schulen Lehrer vor Ort bereits erste Erfahrungen beim Einsatz von Digitalem im Unterricht machen und wenn ich dann zu der entsprechenden Schule komme, werden die Workshops von den Kollegen vor Ort gehalten.

Damit diese nicht alleine stehen gelassen werden, sende ich vorab einige Vorschläge für Workshops in Form von kleinen Tutorials. Motivierte Lehrkräfte erhalten die Aufgabe diese anzusehen, damit etwas im Unterricht auszuprobieren und die Erfahrungen für einen 10 Minuten - Workshop aufzubereiten. Natürlich können auch bestehende Versuche präsentiert werden.

Da aber eine Tool-Parade alleine in meinen Augen nicht ausreicht, halte ich vor diesen Workshops einen Impulsvortrag und versuche die Notwendigkeit und auch die sinnvolle Verzahnung von Digitalem und Unterricht zu betonen. Erläutere, was es heißt SchülerInnen digital kompetent zu machen und warum sich deshalb jeder Lehrer auf den Weg machen sollte.

  1. Kollegen finden und Tutorials zur Verfügung stellen
  2. Impulsvortrag an der Schule halten
  3. Workshops zu beispielhaftem Einsatz nach dem Vortrag
  4. im Unterricht ausprobieren

...auf den Organisator kommt es an...

Der letzte Punkt ist jetzt der Wichtigste und gleichzeitig Schwierigste. Es geht darum, dass nun jeder verpflichtend etwas im Unterricht probieren sollte. Denn Nachhaltigkeit und Unterrichtsentwicklung funktioniert nur, wenn auch jeder etwas macht und damit ein Diskurs stattfinden kann. Die Workshop-Leiter der Schule haben das vielleicht bereits getan, sie haben vielleicht schon miteinander diskutiert, was funktioniert und wie man Sachen besser machen kann.

Um jetzt alle ins Boot zu bekommen braucht es einen verpflichtenden Versuch und dazu z.B. eine Reflexion. Nach einer gewissen Zeit treffen sich die KollegInnen wieder und berichten von ihren Erfahrungen und können vielleicht auch schon erkennen, wie man auch im eigenen Fachunterricht digitale Kompetenzen erreichen kann, ohne das Fachliche zu vernachlässigen. 

Jetzt ist es alles eine Frage der Verpflichtung, wenn keiner etwas macht, wird sich nach diesem Impulsvortrag auch nichts verändern, man wird vielleicht einfach noch einmal jemand anderen einladen, noch einen Pausen-Clown.

Daher ist es soooo wichtig, dass in der Zeit der Bund-Milliarden die Fortbildungskonzepte auch nachhaltig angelegt werden und das Digitale Im Unterricht nicht nur an einem Tag das Mindset der Kollegen versucht zu verändern. Deswegen ist es soooo wichtig, Kollegen der Schule mit ins Boot zu holen und die Bedeutung eines weiteren Austauschs im Kollegium zu betonen. Dazu braucht es keine digital kompetenten Schulleiter. Aber Ihnen muss bewusst sein, dass ein Impuls von einem Gastdozenten nur der Anfang ist und die Planungen damit nicht abgeschlossen sind.

Material gibt es genug...

Wie man etwas im Unterricht ändern kann, dazu gibt es genug Material. Damit kann man Schulen schon ohne Besuch eines Experten Anregungen zur Umsetzung nahelegen.

... jetzt muss es halt los gehen. Und meiner Meinung nach darf das Vormachen einzelner Elemente eben nicht in die Hände von Leuchttürmen gelegt werden, sonst passiert einfach nichts. Ausprobieren, auf den Weg machen,... Das muss jeden betreffen und das wird nur funktionieren, wenn nicht jedes Mal ein anderer Pausenclown wieder die App-Parade auspackt.

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Kommentare: 5
  • #1

    Elke Noah (Freitag, 30 November 2018)

    Du hast so recht. Genauso!

  • #2

    Mathias Magdowski (Freitag, 30 November 2018 19:45)

    Das Gesagte gilt im Grunde (leider) auch genauso für den Hochschulbereich.

  • #3

    Katrin Grün (Freitag, 30 November 2018 21:54)

    Sehr gute Gedanken!!!

  • #4

    Arminius (Samstag, 01 Dezember 2018 19:35)

    Volle Zustimmung aus einer ganz anderen Perspektive: der der Eltern. Schule hat den ganz klaren Auftrag, auch auf die Lebens- und Arbeits/Studien-Welt vorzubereiten. Damit ist das Thema zwingend enthalten und die Freiwilligkeit der Beschäftigung damit nicht mehr gegeben. Als Vater fordere ich das ganz einfach, denn anders erfüllt das System Schule nicht seinen Auftrag.

  • #5

    damianduchamps (Sonntag, 02 Dezember 2018 09:50)

    So right, because learning never ends.

Anfragen unter sebastianschmidt@flippedmathe.de