ICM 6 - Rückblick zur Tagung

In Marburg hat für mich 2014 alles begonnen. Nach über einem Jahr Videoeinsatz hatte ich im Netz die von Prof Dr. Jürgen Handke organisierte Konferenz gefunden und bin auf eigene Kosten dorthin gefahren, um Gleichgesinnte zu finden. Damals gab es nur drei Lehrer: mich, Carsten Thein und Felix Fähnrich. Ich war ja schon froh überhaupt jemanden zu finden, der auch Videos in der Schule einsetzt. Dieses Jahr waren es schon bedeutend mehr Lehrer, man sprach bei über 100 Teilnehmern am ersten Tag von über 50% Lehrern. Das Tolle an der ICM 6, ich durfte die Keynote halten und ich glaube, ich hab mich ganz ordentlich geschlagen. Aber seht selbst, das Orga-Team von Jürgen Handke hat Sie auf YouTube gestellt. Das Team um Christian Freisleben-Teutscher von der PH St. Pölten hat auch einen Bolgartikel dazu verfasst.

Anschließend konnte man in Workshops sein KnowHow in Sachen Videoproduktion verbessern. bei verschiedenen Referenten (Programm hier nachzulesen) wurden unterschiedliche Schwierigkeitsgrade angeboten. Bei den Experten ließen wir Planeten, Raketen und einiges mehr im Video durch die Gegend fliegen.

Das Komische daran ist natürlich wieder die Fokussierung auf Video. Habe ich noch in meinem Vortrag davon gesprochen, dass diese nicht im Zentrum des Lernens und des Flipped Classrooms stehen, wird auf jeder Tagung das Video in den Mittelpunkt gestellt. Verständlicherweise auf der einen Seite: das Video ist das neue Element, mit dem man den Unterricht neu denken und umdrehen kann. Unverständlich auf der anderen Seite, haben doch viele Anwender mehr Probleme damit, eine passende Präsenz zu kreieren bzw. die Transformation vom Wissensvermittler zum Coach zu vollziehen als ein Video zu erstellen. Diesem Zwiespalt begegne ich auch in meinen Workshops. Deshalb ist es in meinen Augen wichtig, sich Zeit für den Flipped Classroom zu nehmen. Alles beginnt mit einem Video, es darf nur nicht damit aufhören. Bei der ICM6 hatten wir mit einem Nachmittag schlicht zu wenig Zeit, um tiefer in die Thematik einzusteigen.

Aber dafür gibt es ja die Community, beachtlich viele Kollegen unterrichten schon nach diesem Konzept. Weil auch noch jeder so von seinem Konzept überzeugt ist, hat man immer Gesprächsstoff. Ein paar der Kollegen habe ich über die Tage vor meine Kamera gezerrt, damit Sie von Ihrem Flip, einem Vor- oder einem Nachteil berichten können. (siehe Tweets am Ende). A Propos, der - zugegebenermaßen nicht ganz leicht verständliche - #icm6umr trendete in Deutschland zwischenzeitlich auf Platz 6. Da war was los bei Twitter.

Hervorheben möchte ich an dieser Stelle meine geschätzten Kollegen Andreas und Heiko. Die beiden haben sich meinen Vortrag gefühlt jeweils zum 5ten Mal angehört. Daher ist mir Ihr Feedback besonders wichtig. Andreas flippt nun selbst seinen Unterricht im Fach Wirtschaft mit eigenen Videos an der FOS/BOS in Bayern. Heiko dagegen erstellt keine eigenen Videos, er lässt die Materialien für den Flip von den Schülern selbst erstellen und in einem Wiki zusammen fassen, auch Videos müssen sie selbst suchen und gegenseitig bewerten. Das alles finde ich noch viel herausragender als meinen eigenen Flip, nur hört er das immer nicht so gerne. Aber pssst, keinem weitersagen ;-) Hier sein Wiki.

An Tag zwei ging es dann vermehrt um die Hochschullehre. Da hat man sich darauf geeinigt, dass man nicht Flipped sondern Inverted Classroom sagt, auch wenn die Unterschiede gar nicht so groß sind, wie selbst Jürgen Handke nach meinem Vortrag feststellte. Aber einen gibt es: Die Schule hat kein Problem mit der Anwesenheit, die ist bekanntermaßen verpflichtend. In der Uni kommen die Studenten nicht mehr in die Vorlesung, wenn das Material dafür "zu gut" ist. Professoren müssen den Mehrwert der Präsenz betonen. In der Schule haben wir eher ein Problem mit den Hausaufgaben, diesen Mehrwert müssen wir betonen. Dabei kann der Flipped Classroom helfen, Allheilmittel ist er aber nicht. Egal wer von seiner Vorlesung/ von seinem Unterricht erzählte, jeder kannte die Probleme über die Schwierigkeit des Selbstständigen Lernens.

Plenarvortragende war zum einen der eloquente Prof. Dr. Sönke Knutzen mit einem schlüssigen und inspirierenden Vortrag. Zum Anderen Saskia Esken, die sich wie keine Andere in der Politik für die Belange der Digitalisierung in der Lehre einsetzt. Toll, dass es Leute wie die beiden gibt. Allein als Lehrer ist es schwer etwas zu ändern.

Nach meiner Begegnung mit Pepper (ein Roboter hat meinen Vortrag angekündigt) war dann der Workshop von Andreas Wittke ein Aha-Erlebnis für mich. Roboter können Lehrer ersetzen? In Teilen auch schon heute? Das was @OnlinebyNature (so nennt er sich bei Twitter) von seinen Erfahrungen bei der Erstellung von MOOCs berichtete war schlüssig: Viele Elemente, die wir beim Lernen kennen, kann man bereits vom Roboter ersetzen lassen. 


In den Zeitungen könne man das heute schon sehen, meinte er. Viele Artikel würden bereits aus Allgorithmen gespeist werden, Berichte von 3. Liga spielen, Horoskope, Kurznachrichten,.. werden bei machen Zeitungen schon nicht mehr von Menschen geschrieben.

Ein Horrorszenario, aber tatsächlich mache ich ja eigentlich auch nichts anderes: ich digitalisiere mich in Form eines Videos, dass hätte auch ein Roboter machen können. Zum Schluss einigten wir uns auf folgendes Szenario: Wenn der Lehrer die Transformation vom Wissensvermittler zum Pädagogen schafft, dann kann er auch nicht vom Roboter ersetzt werden. Abschließend möchte ich michbei Jürgen Handke und seinem Team bedanken, dass waren zwei toll vorbereitete Tagungstage, das dritte Mal war ich nun schon gerne Gast in Marburg. Schade, dass es wahrscheinlich das letzte Mal war. Jürgen ließ schon anklingen, dass die nächste Tagung nicht mehr in Marburg statt findet. Er geht (LEIDER) der Pension entgegen und wird uns nicht mehr lange als Dozierender an der Universität Marburg zur Verfügung stehen. Das finde ich persönlich sehr traurig und hoffe, dass er in einer anderen Funktion der Community erhalten bleibt. Spannend ist für mich daher auch die Frage, wie es mit dem Erbe weitergeht.

In naher Zukunft gibt es ja erst einmal die Flipped Classroom Convention in Berlin und die ICM7 in St. Pölten.

#icm6umr ICM-Tagung: außen Pfui, innen hui.

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