Flipped Classroom - Fachtagung in Dillingen

Vom Setting her ein sehr mutiges Unterfangen des Elearning Kompetenzzentrums Dillingen: Für die Ferien wurde eine Tagung zum Thema Flipped Classroom angesetzt. Mutig, weil das Thema noch so neu ist, dass sich kaum jemand traut darüber zu berichten geschweige denn sich darüber zu äußern. Mutig auch deshalb, weil man als Lehrer dafür drei volle Tage seiner Ferien opfern muss. Aber der Mut hat sich gelohnt. Mit 60 Teilnehmern war die Veranstaltung früh ausgebucht, auch LehrerInnen außerhalb Bayerns hatten sich dafür angemeldet.

Los gings am ersten Tag mit einer Keynote von Julia Werner. Sie ist Projektmitarbeiterin bei "Flip Your Class", einem Projekt, das LehrerInnen in Berlin einen leichten Einstieg in den Flipped Classroom vermitteln soll. Für zwei Stunden war Ihre Keynote angesetzt. Auch wenn das vielleicht anfänglich als zu lang erschien, war der Vortrag dann absolut kurzweilig. Wissenschaftlich fundiert erklärte sie den "Mehrwert" von Videos, welche Schwierigkeiten beim Lernen auftreten können, psychologische Erkenntnisse und zeigte Einsatzmöglichkeiten auf. Gekonnt lockerte sie dabei immer wieder Ihre Keynote auf. Mit Quizzes über Kahoot.it für die Teilnehmer, einem Padlet zur Ideensammlung und Experteninterviews via YouTube zu Fragen rund um den Flipped Classroom erzeugte sie einen sehr facettenreichen Vortrag, der die Teilnehmer aktivierte und gleichzeitig benannte sie viele neue Aspekte des Lernens mit Erklärvideos. Der vollständige Vortrag ist online einzusehen, das Team des ELearning Kompetenzzentrums hat das Video sogar gegliedert, um Passagen einzeln rauszufiltern.

In der anschließenden ersten Workshoprunde konnten die TeilenehmerInnen dann ExpertInnen zu diesem Thema lauschen und Ihre ersten eigenen Versuche starten. Anton Bollen, Athanasios Vassiliou, Wolfgang Dukorn, Jenny Radzimski-Coltzau, Dr. Richard Rongstock, und Thomas Zapf stellten einen facettenreichen Zugang zur Verfügung. Alles sehr inspirierende Leute, die nicht nur sehr reflektiert, sondern auch sehr sympathisch rüber kommen. 

Verschiedene Fächer, unterschiedliche Schwerpunkte (Präsenzgestaltung/Videoerstellung), da war bestimmt für jeden etwas dabei. Geladen waren Das tolle daran war, dass beinahe jeder Workshop mehrfach angeboten wurde. So hatte man die Möglichkeit mehrere Referenten zu sehen und musste sich nicht der immer wieder kehrenden Entweder-Oder-Frage bei solchen Veranstaltungen stellen. Drei Workshoprunden gab es bei der ganzen Tagung, eine Übersicht findet man in der Mahara-Ansicht der ALP Dillingen. Dort sind auch die Inhalte und die Informationen der Referenten gelistet.

Tag 2 begann dann mit der Keynote von Simone Dinse de Salas. Ihr Zugang zum Flipped Classroom ist ein anderer nicht weniger spannender: SchülerInnen erstellen selbst Erklärvideos. Damit kann man das Konzept Lernen durch Lehren mit dem umgedrehten Unterricht verbinden, eine starke Verbindung. Das ist schülerzentrierter Unterricht in dem der Input auch noch von den SchülerInnen selbst erstellt wird. Wieder wurde die Keynote auf ein starkes wissenschaftliches Fundament gestellt, es gab zahlreiche Tipps für das Erstellen von Schülervideos und wieder schaffte es die Referentin zwei Stunden lang spannend vorzutragen und gleichzeitig die Zuhörer zu aktivieren bzw. auch wieder andere Experten über YouTube zu befragen. Mir bleiben die Sockenpuppen in Erinnerung, eine sehr witzige Möglichkeit, Erklärvideos zu erstellen.
Überhaupt, die beiden Referentinnen hatten sich sehr stark auf die Fortbildung vorbereitet und damit sowohl den fortgeschrittenen Anwendern des Flipped Classrooms als auch den Newbies tolle Informationen bereit gestellt. Heidelberg und Flipped Classroom wird in Dillingen nun nicht mehr allein mit Christian Spannagel verbunden, sondern auch mit den Expertinnen aus seinem Team.

Spannend war es dann auch im Workshop: "Flipped Classroom in der Diskussion". Dabei gab es keinen Vortrag, sondern die Teilnehmer sollten zu "frequently asked questions" ihre eigenen Antworten finden. In einer Kleingruppe wurden dann die Antworten ausgewertet und neu zusammengestellt. So entstand eine tolle Übersicht, die man unter diesem Titanpad aufrufen kann. Unterhalb der gestellten Fragen findet man jeweils Links zu den Padlets mit den Ergebnissen des Workshops.

Mein persönliches Highlight war dann der dritte Tag, hatte man mir doch tatsächlich die Abschluss-Keynote zugestanden. Das ist schon verrückt, vor drei Jahren hatte ich einfach begonnen, Erklärvideos in den Unterricht einzusetzen, heute darf ich Keynotes darüber halten. Manchmal denke ich, bestimmt kommt jetzt einer und holt mich von der Bühne. Denn eigentlich bist Du doch nur der Schmidt. Aber ich habe mich wohl gefühlt und ich glaube, dass der Vortrag auch bei den Teilnehmern gut ankam. Aber überzeugen Sie sich einfach selbst: "Perpektiven des Flipped Classrooms" - oder anders gesagt: Digitale Bildung aus unterschiedlichen Sichtweisen.

 

Die Fortbildung im Ganzen war meiner Meinung nach ein voller Erfolg. Sehr viele wissbegierige Teilnehmer, sehr viel Rückmeldung und auch tolle erste Ergebnisse. Anders als bei kurzen Workshops über dieses Thema hatte man drei Tage lang Zeit, den tieferen Sinn von Flipped Classroom zu erkennen: es geht gar nicht um ein Unterrichtskonzept mit Videos. Es geht um Unterricht, der Individualisierung, Differenzierung in heterogenen Gruppen und zahlreiche Methoden ermöglicht. Dazu erstellt man Erklärvideos, um sich Zeit dafür freizuschaufeln und die Schüler ins Zentrum des Unterrichts zu rücken. Das ist jedem Anwender des Flipped Classroom bewusst, nur das zu vermitteln ist bisweilen nicht immer leicht. Bei der Tagung hatte am Ende, so glaube ich, jeder seinen eigenen Zugang für eine Umsetzung des Flipped Classrooms erhalten. Für mich war es gar eine Art Initialzündung: Das Unterrichtskonzept ist aus der Nische heraus gekommen, 60 Lehrer sind an diesem Konzept interessiert und opfern für Informationen darüber Ihre Ferien. Flipped Classroom ist nicht nur etwas für Technik-Nerds sondern für jeden, der seinen Unterricht innovativ und abwechslungsreich gestalten will.

Am Ende ein großes Dankeschön an das Team vom Elearning Kompetenzzentrum der ALP Dillingen für eine kurzweilige Fortbildung, einen reibungslosen Ablauf und dafür, dass Ihr so mutig ward, diesem Thema eine Plattform zu geben. Ich freue mich im Herbst mit Euch das Online-Seminar zusammen zu bestreiten :-)

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