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15

Mai

2015

10 Schritte zum Flipped Classroom

Auf dem Weg zum Flipper: Meine To-Do-Liste für Flipped Classroom
Folgende Schritte sind sehr techniklastig, obwohl der Flipped Classroom zum größten Teil auf analogen Unterricht baut. Ich gehe nur davon aus, dass jeder Lehrer weiß, eine Präsenzphase schülerzentriert zu gestalten Ein Video bzw. lernplattform ist dagegen neu.

 

1.      Software/Hardware wählen

Wie möchte ich meinen Unterricht auslagern? Screencastsoftware gibt es zahlreich: camtasia, camstudio, screencast-o-matic,… Doch Vorsicht: Mehr Möglichkeiten bei der Bearbeitung heißt auch, mehr Zeit bei der Produktion. Für die Aufnahme selbst reicht ein Headset, will man sich selbst zeigen noch eine Kamera. Wenn man vor hat viele Videos zu drehen, sollte man sich ein USB-Mikrofon zu legen. Wo speichere ich die Datenflut? Externe Festplatte, Cloud? NAS? USB-Stick? Wo sichere ich? Freefilesync? Oder so

2.      Präsentation, OneNote, Tafelbild,…
Was man filmt ist für das Lernen der Schüler eigentlich egal. Man kann sich beim Schreiben filmen (z.B. explain everything mit eingebauter Aufnahmefunktion), eine Präsentation erstellen und nach einer festgelegten Animation kommentieren, durch OneNote wischen, sich an der Tafel filmen,… oder einfach bereits vorhandene Filme verwenden.

3.      Einfach mal ein Video drehen
Wie leicht so ein Screencast erstellt ist weiß man erst, wenn man einen gemacht hat: Einfach loslegen. Dabei sollte man unbedingt auf die didaktische Reduktion achten. Denn auch beim Video schauen gilt: die Schüler werden nicht lange am Ball bleiben können. Auf das Nötigste reduzieren ist wichtig, sonst bleibt der Erfolg aus. Das Wichtigste aus meiner Erfahrung: Es kommt nicht auf das perfekte Video an, sondern auf das selbstständige Arbeiten der Kids im Unterricht.

4.      Lernplattform, Videoplattform, Datenschutz
Wo sollen die Videos liegen? Welche Lernplattform dürfen die Schüler in meinem Bundesland verwenden? Kommt man z.B. aus Bayern, ist google class und alles was einen Server außerhalb Europas hat tabu. Eine Moodle-Plattform kann dann z.B. als digitales Klassenzimmer verwendet werden. Auf jeden Fall sollte man berücksichtigen, dass Eltern gerne protestieren, wenn man verpflichtend die Daten der Schüler für schulische Zwecke speichern soll. Die Videos sollten nach Möglichkeit auf einer Videoplattform hochgeladen werden, dass die Schüler diese nur streamen brauchen. Das Austeilen von 200MB Dateien könnte sich auf Dauer als schwierig erweisen. Man kann über die „nicht gelistet“-Option bei YouTube oder die Passwort-Option bei vimeo seine Videos vor anderen verbergen, oder man veröffentlicht sie richtig und macht sie anderen Kollegen zugänglich.

5.      Was wird geflippt?
Nicht zwangsläufig sollte man gleich allen Input aus dem Klassenzimmer auslagern. Bei jüngeren Schülern kann es zu Beginn ganz hilfreich sein, nur die Abschreibphase des im Unterricht Erklärten auf den Nachmittag zu schieben. Allein dadurch kann sehr viel Zeit gewonnen werden (half-flipped). Flippen Sie anfangs nie zwei Klassen gleichzeitig. Sie kommen aus der Arbeit nicht mehr raus.
Die wichtigste Frage ist: Welcher Inhalt kann auf den Nachmittag verschoben werden. Sortieren Sie Ihre Unterrichtsstunden neu. In welcher Phase ist ein Lehrerinput unvermeidbar, wann muss ich die Schüler entdecken lassen. Planen Sie erst dann die Hausaufgabe und das Video.

6.      Eltern, Schüler, Schulleitung
Durch die große Andersartigkeit des Unterrichts sollte man Eltern und Schulleitung in Gesprächen mit ins Boot holen. Man sollte sie leicht überzeugen können, wenn man ihnen einmal die Scheu vor neuen Medien nehmen konnte. Geben Sie den Eltern die Möglichkeit, zu den Videos oder sonstigen digitalen Inhalten Zugriff zu erhalten. Vorher abzuklären ist auch die Ausstattung bei den Kids. Hat ein Schüler weder Zugang zum Internet, noch Smartphone oder Daten-Flat wird es schwierig, die Methode anzuwenden, weil man diesem Schüler keinen gleichwertigen Ersatz bieten kann. Dringend sollte man bedenken, dass aktives Video ansehen nicht selbstverständlich ist. Man braucht dazu eine ausführliche Einführung.

7.      Präsenzphase

Was mache ich in den 45 Minuten Unterricht? Diese sollten nun effizient genutzt werden. Nicht die Videos zu Hause machen die Schüler besser, sondern die Interaktionen und die Selbstständigkeit im Klassenzimmer. Hier gilt es kreativ zu sein, Rhythmisierung zu organisieren und im Unterricht auf die klassische Lehrerrolle zu verzichten. Das Klassenzimmer kann bei Flipped Classroom den Schülern zurückgegeben werden. Nutzen sie diese Chance und gehen sie in  den Hintergrund.

8.      Überprüfung
Wie überprüft man das Ansehen der Videos? Das ist DER Knackpunkt der Methode. Man kann es erreichen durch kurze Videos, durch ein abfragendes Quiz zum Video (learningapps.org, edpuzzle.com, educanon.com,…), ein begleitendes Arbeitsblatt und/oder durch das Abschreiben des Schlussbildes in ein Heft. Poertfolio-Arbeit oder die Aktivität Test bei mebis/moodle sind weitere Alternativen. Nur darauf zu vertrauen, dass die Schüler die Videos schon schauen werden würde wahrscheinlich in den meisten Fällen Flipped Classroom gerade zu Beginn gegen die Wand fahren.

9.      Benotung
Nicht nur der Unterricht wird gekippt, auch das Benotungsverfahren. Eine Abfrage der Hausaufgabe? Mit vorangehender Fragerunde auf jeden Fall möglich. Wann schreibe ich unangesagte Tests? Die Schüler üben ja erst in der Stunde, am Nachmittag bereiten sie sich ja schon wieder auf die neue Stunde vor.

10.   #flipmich
Bis jetzt gibt es fast nur positive Berichte über das Unterrichtskonzept, aber wenig wissenschaftliche Literatur. Wenn Sie FC unterrichten, dann gehören Sie zu einer Minderheit. Fortbildungen gibt’s dann oft nur im Netz. Bei Twitter unter #flipclass und für deutsche Neulinge auch #flipmich, bei flippedlearning.org, bei dem ICM-Chat (#icmchatde) oder bei der ICM in Marburg. Oder Sie besuchen meine Übersicht zu aktuellen Flippern. Seien Sie mutig probieren Sie es aus, Sie werden es nicht bereuen. 

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